Moese Willy

Berlin, Germany

21.07.1927 - 14.02.2007

Cartoonist, painter, illustrator, stage designer, comicist

Auf allerlei Umwegen zur Malerei und Grafik gekommen. 1952 erste Karikatur. Thema: Arbeitsunfall. Inhalt: Ein alter Bauer sitzt mit verbundenem Bein auf der Wiese. In der Hand halt er ein Seil, an das ein Bett gebunden ist. Ein Arzt steht sehr verwundert davor. Der Bauer: „Aber Herr Doktor, Sie sagten doch, ich sollte das Bett hüten!” Mittlerweile sind meine Zeichnungen etwas wortkarger. Dafür – hoffentlich – origineller.

8×8 Zum Arbeitsschutz; Verlag Tribune Berlin 1988; Printed in the German Democratic Republic.

Moese wuchs in Barcelona in einer deutsch-spanischen Familie auf. Sein Vater war ein Deutscher, der nach dem Ersten Weltkrieg aus Böhmen ausgewandert war, seine Mutter war Spanierin. Bereits während seiner Schulzeit in einer Klosterschule erwies er sich als talentierter Zeichner. Nach seinem Wechsel auf die deutsche Oberrealschule verließ die Familie wegen des Spanischen Bürgerkrieges 1936 das Land und kehrte ins Böhmische (ČSR) zurück, wo Moese 1944 noch zur Wehrmacht einberufen wurde. Der gelernte Industriekaufmann lebte nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft zunächst in Bayern und übte verschiedene Tätigkeiten aus. 1948 nutzte er sein zeichnerisches Können als Kunstmaler und machte es später als Pressezeichner zum Beruf. Der Künstler zeichnete für verschiedene deutsche Blätter. Ab 1953 erhielt er von den DDR-Zeitschriften Zeit im Bild und Wochenpost Aufträge. Insbesondere in der letzteren erschienen seine Zeichnungen und Karikaturen bald regelmäßig. Im Jahr 1955 verlegte Moese seinen Wohnsitz nach Berlin, wo fast alle Zeitschriften, für die er arbeitete, ansässig waren. Er lebte fortan im Ostteil, wobei seine Übersiedelung keinerlei politische Gründe hatte. Als freiberuflicher Zeichner schuf er neben Karikaturen für Tageszeitungen und Theaterplakaten vor allem Comic-Serien für die NBI, die Junge Welt und vor allem für die Wochenpost. Daneben gestaltete er Titel für die Kinderzeitschriften Atze, Bummi, FRÖSI und das Pionierorgan Trommel. Für die Kabarette Die Distel und academixer gestaltete er Bühnenbilder. Die von 1957 bis 1960 erschienene Serie „Klaus & Choko“ mit 145 Folgen war die längste Comicserie in der DDR-Presse. Neben diesen Arbeiten veröffentlichte er auch einige seiner Serien als Sammelbände in Buchform. Moese, der der Kulturpolitik der DDR kritisch gegenüberstand gehörte zu den Unterzeichnern gegen die Biermann-Ausbürgerung und wurde auch deshalb durch die Staatssicherheit im Operativen Vorgang „Stift“ observiert. Willy Moese war Mitglied des Verbandes bildender Künstler der DDR. Er ist der Schöpfer des Maskottchens der Kinderseite der NBI, des Affen „NUK“, der 20 Jahre Teil des Blattes war. Bekannte Serien waren „Blaff & Biene“ in der Wochenpost und „Rolle & Robby“ in der Atze. Letzte erschien in gekürzter und stark veränderter Form auch unter dem Titel „Romy & Roby“ zwischen 1980 und 1983 in der Kinderzeitschrift Junior des Schweizer Apothekerverbandes. Gemeinsam mit Jürgen Kieser schuf er für die Frösi die Serie „Trix & Droll“. Mit der politischen Wende in der DDR wurde Moese zum Herausgeber von Comiczeitschriften. Doch sowohl der 1989 erschienene Spaßvogel, als auch der Jolly konnten sich nicht durchsetzen und wurden wieder eingestellt. Als Werbegrafiker war Moese seit 1994 für die Reichsbahn-Betriebskrankenkasse unter Vertrag. Willy Moese war nicht nur der Schöpfer der „BLA-BLA“-Schreibmaschine, die auf der VIII. Kunstausstellung der DDR präsentiert wurde, sondern auch ein Konstrukteur von Spielzeug, das ebenfalls auf Ausstellungen zu sehen war. Er war mit der Fernsehansagerin Maria Moese verheiratet und lebte in Berlin-Kaulsdorf. Er hat zwei Kinder, sein Sohn Felix Moese arbeitet bei Hit Radio FFH. Der vor allem in Ostdeutschland bekannte und beliebte kritische Pressezeichner Willy Moese starb am 14. Februar 2007 im Alter von 79 Jahren.

http://de.wikipedia.org/wiki/Willy_Moese


Leave a Reply

5 × one =